Politische Bildung für alle!

Landeszentralen

Dieser Tage feiert die Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen ihr 30-jähriges Bestehen. Anlass genug, sich Auftrag und Angebot der Bundes- und Landeszentralen einmal genauer anzuschauen.

Während mir die Bundeszentrale für Politische Bildung schon längst ein Begriff war, habe ich von der Existenz ihrer kleinen Schwestern, nämlich den Landeszentralen, tatsächlich erst vor etwa zwei bis drei Jahren erfahren. Den 30. Geburtstag der Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen möchte ich daher mal zum Anlass nehmen, auf das nicht minder tolle Bildungsangebot auf Landesebene aufmerksam zu machen.

Kleine Geschichte der Bundes- und Landeszentralen

Als Folge des Zusammenbruchs der Weimarer Republik sowie der darauf folgenden nationalsozialistischen Diktatur, insbesondere aber im Kontext der Reeducation-Bemühungen der Alliierten, die im Nachkriegsdeutschland demokratische Bildungsarbeit vorsah, wurde Anfang der Fünfziger Jahre die institutionalisierte politische Bildung in Deutschland beschlossen. Auf Bundes- wie auf Länderebene kam es zur Errichtung der Zentralen für Politische Bildung. Im Nachhall des gerade erst überwundenen Naziregimes traf die Idee, den Staat für die politische Bildung seiner Bürger:innen in die Pflicht zu nehmen auch auf Bedenken und Skepsis, setzte sich am Ende aber durch. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR fand die Errichtung selbstredend erst nach 1990 statt.

Aufgaben und Angebot

Politische Bildung im öffentlichen Auftrag ist eine eher ungewöhnliche Institution, die in dieser Form außer in Deutschland, Österreich und den USA nirgends zu finden ist. Den Anfang machte 1952 die Bundeszentrale für Politische Bildung, die damals noch Bundeszentrale für Heimatdienst hieß. Auf der Seite der BPB ist zu lesen:

Alle Landeszentralen im Überblick

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Bayern
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Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Links zum Thema

Zum 30-jährigen Bestehen der LZ Sachsen
Artikel beim MDR Sachsen

Fluter
Jugendmagazin der BPB

Zeit für Politik
Podcast der LZ Bayern

Demokratie leben!
Bundesprogramm des BMFSJF zur Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement

Orte der Demokratiegeschichte
Arbeitsgemeinschaft zur lokalen, regionalen und deutschlandweiten Demokratiegeschichte

Im Selbstverständnis der Bundeszentrale ging es darum, durch staatsbürgerliche Erziehung den demokratischen Gedanken in der Bevölkerung zu verankern. Zeitgemäße politische Bildung sollte die Bürger/-innen mit der parlamentarischen Regierungsform sowie den Spielregeln und den Prinzipien der Demokratie vertraut machen. Die Bundeszentrale setzte sich mit totalitären Ideologien wie dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus auseinander, förderte die Teilhabe aller demokratischen Kräfte am politischen Prozess und festigte den Gedanken der europäischen Aussöhnung.

BPB

Anders gesagt, die Aufgabe der Bundeszentrale war und ist es, das freiheitlich-demokratische Verständnis und politische Engagement bei den Bürger:innen zu fördern. Dies wird auf unterschiedlichste Weise erfüllt, zum Beispiel mittels Veranstaltungen wie Tagungen, Filmvorführungen oder Workshops. Sie erfolgt aber auch durch Internetangebote sowie die Herausgabe von Büchern, Zeitschriften, Filmen und Unterrichtsmaterialien, wobei es sich bei den Filmen und Büchern sowohl um Lizenzausgaben als auch um Eigenpublikationen handeln kann. Ein Großteil dieser Medien wird kostenfrei bereitgestellt, für andere Publikationen wird eine Bereitstellungsgebühr von wenigen Euro erhoben.

Aufgaben und Ziele der Bundeszentrale sind seit ihrer Gründung unverändert dieselben geblieben, die Themen sind im Laufe der Jahre jedoch mehr geworden:

Auf zwei gesellschaftliche Herausforderungen will die Bundeszentrale für politische Bildung heute in besonderer Weise reagieren. Zum einen auf die politische Bildung von bildungsfernen und sozial benachteiligten Menschen sowie auf die extremistischen Erscheinungsformen der letzten Jahrzehnte: Rechtsextremismus und Islamismus sowie Linksextremismus.

BPB

Die Landeszentralen sind genau wie die Bundeszentrale überparteilich ausgerichtet und haben zu garantieren, dass die politische Vielfalt in ihrem Bildungsangebot ausgewogen abgebildet wird. Ihre Arbeit wird daher in den meisten Fällen von einem Kuratorium kontrolliert, das sich aus Abgeordneten aller Fraktionen sowie Interessensvertreter:innen gesellschaftlicher Gruppen zusammensetzt. Darüber hinaus sind sie zumeist direkt dem Ministerpräsidenten oder einem (wechselnden) Ministerium zugeordnet, um den Aspekt der Überparteilichkeit zu wahren.

Die Landeszentralen stellen gleichfalls eine Vielzahl an Informationen, Publikationen und Medien zur Verfügung und richten unterschiedliche Veranstaltungen aus. Der Fokus auf Länderebene liegt jedoch auf lokalen Themen. Bei ihnen sind die ebenfalls zumeist kostenfreien Angebote allerdings ausschließlich für Bürger:innen der jeweiligen Länder erhältlich. Das kostenpflichtige Angebot ist dagegen auch von außerhalb bestellbar – ein Blick in die Online-Shops der Landeszentralen lohnt also selbst dann, wenn man seinen Wohnsitz eigentlich anderswo hat.

Eine hervorragende Informationsquelle zu gesellschaftspolitischen Themen ist zudem die Plattform Politische Bildung, auf der das Internetangebot aller Landeszentralen sowie der Bundeszentrale zusammengeführt wird. Dort gibt es auch einen Überblick über alle neu verfügbaren Bücher und Zeitschriften, versehen mit dem Hinweis, in welchen Landeszentralen die jeweiligen Publikationen erhältlich sind.

Auf dem Foto oben sieht man übrigens meine gesamte Ausbeute bei der LZ Sachsen, bei der ich kürzlich nochmal fix Nachschub geordert habe, bevor ich demnächst dann offiziell Hessin bin…


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