Abobox – The Pass Poet

The Pass Poet

Ob Blumen, Kosmetik, Lebensmittel, Fitness und Sport, Haustierbedarf oder diverse Hobbies – sogenannte Aboboxen, mit denen man sich in festgelegten Intervallen immer wieder aufs Neue überraschen lassen kann, boomen seit Jahren und die Auswahl wird kontinuierlich größer. Braucht es da wirklich noch eine weitere? Unbedingt!

The Pass Poet

Die Vielfalt an Aboboxen, die es mittlerweile für alle denkbaren Bereiche des Lebens zu beziehen gibt, nimmt zugegebenermaßen allmählich irritierende Ausmaße an. Vom Blumenbouquet über vegane Süßigkeiten bis hin zu trendigen Sportklamotten ist inzwischen so ziemlich alles in Form einmaliger oder turnusmäßiger Überraschungspakte abonnierbar. Unvermuteterweise jedoch ist es im Bereich der Literatur diesbezüglich noch verhältnismäßig ruhig. Zwar haben sich bereits einige Buchabonnements etabliert, die meisten Angebote scheinen allerdings von örtlichen Buchhandlungen auszugehen und werden daher überregional gar nicht zur Kenntnis genommen. Aboboxen mit hoher Reichweite hingegen, wie zum Beispiel die Schmökerbox oder die Büchergilde-Abobox, stellen eine Ausnahme dar. Ob sich die neue Abobox The Pass Poet wohl bald dazuzählen darf? Die Chancen stehen nicht schlecht, denn das Konzept überzeugt.

Hinter The Pass Poet steckt die Literaturwissenschaftlerin und Bloggerin Anne-Christine Hoegen, die sich mit der Box einen kreativen Traum erfüllt hat, der eng an den Wunsch geknüpft ist, Gutes in der Welt zu bewirken. Deshalb baut ihr Ansatz im Wesentlichen auf zwei Aspekten auf.

Wider den männlich geprägten Literaturkanon

Im Fokus von The Pass Poet stehen Frauen, sei es hinsichtlich der in der Box enthaltenen Romane oder der beigefügten Extras. Und das hat einen einfachen Grund: Im Literaturbetrieb herrscht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Eine Studie der Soziologin Dana Beth Weinberg und des Mathematikers Adam Kapelner von der City University of New York brachte ans Licht, dass Männer nicht nur häufiger publiziert, gelesen und rezensiert werden als Frauen, sondern dass Bücher von Frauen je nach Verlag bis zu 45 Prozent weniger kosten. Die Differenz bei den Honoraren beträgt durchschnittlich 9 Prozent.

Encompassing the traditional and the gig economy, the book industry illuminates how the gig economy may disrupt, replicate, or transform the gender discrimination mechanisms and inequality found in the traditional economy.

Quelle: Gender Discrimination in Publishing

Zwar beziehen sich Weinberg und Kapelner auf Nordamerika, die Diskrepanz in der Wahrnehmung und Wertschätzung von schreibenden Männern gegenüber schreibenden Frauen ist aber auch andernorts belegbar. Für den deutschen Sprachraum sei hier beispielsweise auf die Studie Frauenzählen der Universität Rostock verwiesen.

Indem The Pass Poet Autorinnen den Vorzug gibt, wird diesem Missverhältnis etwas entgegengesetzt.

Analphabetismus bekämpfen

Die Fähigkeit, lesen zu können, erscheint unsereins eine Selbstverständlichkeit, über die wir nicht weiter nachdenken. Ebenso wie der ungehinderte Zugang zu Büchern, und damit zu Bildung, Aufklärung und Wissen. Laut UNESCO sind jedoch 773 Millionen Erwachsene weltweit Analphabeten, 61 Prozent davon Frauen. Da mit der Alphabetisierungsrate nachweislich der Wohlstand und damit die Chance auf Selbstbestimmtheit zunimmt, werden 10 Prozent des Verkaufspreises einer Abobox an eine Stiftung des jeweiligen Landes gespendet, die sich gegen Analphabetismus einsetzt. Die Spende aus den Einnahmen der ersten Box gingen beispielsweise an Stichting Lezen en Schrijven mit Sitz in Den Haag.

Auf einen Blick

Die Abobox The Pass Poet:

  • fokussiert sich mit jeder Ausgabe auf ein bestimmtes Land
  • enthält einen Roman, zwei Extras (kann variieren) und das Magazin The Pass Poet
  • fördert bevorzugt die schreibende und künstlerische Arbeit von Frauen
  • unterstützt mit jeder verkauften Box ein Projekt gegen Analphabetismus
  • erscheint halbjährlich
  • kostet 39,95 EUR

Das war in der aktuellen Abobox (Nr. 1)

Die erste Ausgabe von The Pass Poet führt in die Niederlande, die Wahlheimat der Herausgeberin – eine naheliegende Entscheidung und vielversprechender Start dieses Projekts.

Marijke Schermer

Beim Roman fiel die Wahl auf Unwetter der Amsterdamerin Marijke Schermer, auf Deutsch in der Übersetzung von Hanni Ehlers bei Kampa erschienen. Er erzählt die Geschichte eines Ehepaares, dessen Welt ins Taumeln gerät, als bei der Frau ein Trauma an die Oberfläche drängt, das sie seit Jahren zu ignorieren versucht. Als Extras liegen ein knopfgroßer Keramikpin der Künstlerin Katinka Feijs, drei Postkarten mit einer Illustration von Lianne Rouwenhorst sowie eine landestypische (und himmelsgleich köstliche) Stroopwaffel bei. Auch im zugehörigen Magazin The Pass Poet dreht sich selbstredend alles um die Niederlande – geboten werden unter anderem Fun Facts, eine kleine Literaturgeschichte, Künstlerinnenporträts oder eine kleine Liste mit weiteren Buchempfehlungen. Ein Hinweis scheint an dieser Stelle relevant: Das Magazin ist auf Englisch!

Die Zusammenstellung der Abobox überzeugt auf allen Ebenen – nicht nur inhaltlich kann sie vom ausgewählten Roman über das Magazin bis hin zu den Extras mühelos begeistern, allein die Tatsache, das dies alles obendrein farblich aufeinander abgestimmt ist und so auch optisch ein harmonisches Ganzes ergibt, belegt, wie viel Mühe und Leidenschaft in dem Projekt stecken. Und noch ein Punkt spricht für The Pass Poet: Der Versand erfolgt in einer unbedruckten, minimal bemessenen Kartonage aus Wellpappe, so dass die Umwelt bestmöglich geschont wird.

Keine Frage, die zweite Ausgabe wird auf jeden Fall sofort geordert, sobald sie verfügbar ist!

The Pass Poet
The Pass Poet
The Pass Poet
The Pass Poet

[Werbung, da PR-Sample: Meinen Dank an The Pass Poet für die Zusendung.]


Aboboxen im Test:

Büchergilde-Abobox
Meine Meinung zur Abobox der Büchergilde
Buchboxentest meiner Bloggerkollegin von Gassenhauer