Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd

Charlie Mackesy

Warum dieses Buch?

Vergangenes Jahr kam ein Buch heraus, das sich augenblicklich meiner Aufmerksamkeit sicher sein konnte: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd des britischen Künstlers und Autors Charlie Mackesy. Während eines Nordseeurlaubs habe ich es mir dann in einer lütten Buchhandlung als eine Art Erinnerungsstück gekauft und bin seither in Liebe entbrannt!

Worum geht’s? Und wie liest’s sich?

Ein einsamer Junge, ein Maulwurf mit großer Liebe für Kuchen, ein sehr schweigsamer Fuchs und ein Pferd, das heimlich fliegen kann – das sind die vier Protagonisten in Charlie Mackesys illustrierter Geschichte mit dem schlichten Titel Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd.

Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie vorrangig über Bilder erzählt wird und es überdies keinen wirklichen Plot gibt. Alles, was geschieht, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Beginnend mit dem Jungen und dem Maulwurf begegnen die vier Figuren sich nach und nach und wachsen zu einer Gemeinschaft zusammen, wobei das Wo und Wie des Aufeinandertreffens je nur angedeutet, aber niemals auserzählt wird. Überhaupt wird in dem Buch vieles vor allem nicht gesagt, so dass es den Leser:innen überlassen bleibt, die Räume zwischen den dargestellten Begegnungen und Dialogen mit eigenen Gedanken und Assoziationen zu füllen.

Die Dialoge selbst sind stets auf wenige sentenzartige Sätze reduziert, in denen sich die vier ihre Verletzlichkeiten, Zweifel und Kümmernisse gestehen, aus denen wiederum eine tiefe Zuneigung zueinander erwächst. Allein fühlen sie sich jeweils kümmerlich und einsam, leiden an ihren Schwächen, doch gemeinsam entfalten sie sich und gewinnen an innerer Stärke, weil jeder dem anderen Haltgeber und Licht ist. Dabei ist Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd zwar durchaus von einem gewissen Pathos getragen, aber nie, wirklich niemals kitschig.

Dass diese Unkitschigkeit gelingt, ist der Verschmelzung von Wort und Bild zu einem untrennbaren Ganzen zu verdanken, die den Texten, welche für sich stehend dann doch wie matte Kalendersprüchlein anmuten würden, zu überzeugender Wirkkraft verhilft, und die jede Plattheit im Keim erstickt. Auch die Liebe des Maulwurfs für Kuchen, auf der viele seiner Lebensphilosophien gründen, sorgen für das nötige Schmunzeln, damit das Buch nicht zu schwermütig gerät.

„Hast du ein Lieblingssprichwort?“, fragte der Junge.
„Ja“, sagte der Maulwurf.
„Welches?“
„Hast du anfangs keinen Erfolg, iss Kuchen.“
„Verstehe. Funktioniert es?“
„Immer.“

Insgesamt ist Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd im Übrigen eher ein künstlerisches, denn ein literarisches Werk, erzählt über monochrome, skizzenhafte Tuschezeichnungen, die teils farbig unterlegt sind.

Was gibt’s sonst noch zu sagen?

Der Penguin Verlag hat einen tollen Buchtrailer veröffentlicht, in dem Mackesy über die Inspiration zu Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd spricht. Und auf der Internetseite des Autors kann man Prints seiner Illustrationen kaufen. Außerdem gibt es dort die Geschichte als ganz wunderbares Hörbuch – unterlegt mit sanfter Musik und authentischen Naturgeräuschen – gelesen von Mackesy selbst.

Lohnt es sich?

Es klingt fürchterlich platt, aber: Dieses Buch ist etwas wirklich Besonderes! Es ist eine Umarmung und ein tröstendes Streicheln über den Kopf, ein Mutmacher, ein Ich-verstehe-dich-Zuflüsterer, ein Zuversichtsgeber – also genau das, was wir alle gerade so bitter benötigen. Verschenkt es, vor allem an euch selbst.

Charlie Mackesy
Charlie Mackesy
Charlie Mackesy
Charlie Mackesy

Charlie Mackesy: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd. Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg. List Verlag (2020).


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