Die Purpurfarbenen

Tampons, Binden, Menstruationstassen, Schwämmchen, Softcups, Periodenslips – es gibt eine ganz schöne Fülle an Produkten für die Monatshygiene. Da ich perspektivisch von den Einwegartikeln abkommen möchte, habe ich einen Slip des französischen Herstellers Pourprées getestet.

Zauberschlüppis

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Von der Menarche bis zur Menopause vergehen rund vierzig Jahre. Das macht bei einem durchschnittlichen Zyklus von 28 Tagen ganze 521 Monatsblutungen, die für gewöhnlich drei bis fünf Tage anhalten. Frauen menstruieren am Stück gesehen also bis zu sieben Jahre ihres Lebens. Das macht eine Menge Hygieneartikel erforderlich und verursacht in der Folge enorm viel Müll.

Als Alternative zu Wegwerfprodukten wie Tampons kamen in den vergangenen Jahren daher vermehrt nachhaltige Artikel auf den Markt, zum Beispiel Menstruationstassen oder waschbare Binden. Aber auch die Praktik der freien Menstruation, also gänzlich ohne Auffangmethoden, hat an Fürsprecherinnen gewonnen.

Jüngeren Datums ist die Periodenunterwäsche, das sind quasi Slips mit eingenähter Binde. Optisch unterscheiden sie sich nicht von einem normalen Schlüppi, lediglich der Bereich im Schritt ist etwas dicker als bei gewöhnlicher Unterwäsche. Dort sorgen mehrere Schichten verschiedener Materialien dafür, dass das Periodenblut aufgefangen wird, die Flüssigkeit nicht nach außen treten kann und zugleich ein Trockenheitsgefühl besteht. Periodenunterwäsche kann je nach Hersteller mehrere Jahre genutzt werden, bevor das absorbierende Textil seine antimikrobielle Wirkung verliert.

Schon länger habe ich mich für diese Zauberschlüppis interessiert, jetzt hatte ich dank einer Kooperation mit Pourprées die Möglichkeit, einen solchen Periodenslip zu testen.

Pourprées

Pourprées, was in etwa mit „purpurfarben“ übersetzt werden könnte, ist ein noch junges Unternehmen aus Frankreich, das erst vor wenigen Wochen in den deutschen Markt eingetreten ist. Gegründet wurde Pourprées 2019 von den Schwestern Agathe und Iris. Um ihre Idee umsetzen zu können, nachhaltige Periodenprodukte zu produzieren, starteten sie vergangenen April eine Crowdfunding-Kampagne und hatten das erforderliche Budget bereits binnen weniger Stunden zusammen.

Produziert wird in Frankreich, in der Nähe von Paris, und zwar vom Weben der Baumwolle bis hin zum Nähen der Slips. Diese sind in drei Modellen und den Größen 30 bis 56 erhältlich. Das Obermaterial besteht aus GOTS- und OEKO-TEX®-zertifizierter Bio-Baumwolle und einem geringen Anteil Elasthan, die saugfähige Einlage aus Polyurethan, Polyester und Eukalyptusfaser. Der Preis liegt je nach Modell bei 34 bis 44 Euro, wer allerdings drei oder mehr Slips abnimmt, bekommt bis zu 15 Prozent Rabatt.

Die Produkte von Pourprées sind vegan und frei von Bioziden und Silber-Nanopartikeln.

Käthe und Cattleya

Pourprées

Als erstes muss ich etwas gestehen: Als ich den Slip aus der Verpackung zog, war ich kurz ein wenig schockiert über seine Dimension. Zwar hatte ich das Modell Cattleya bereits auf der Homepage gesehen und wusste, dass es einen taillenhohen Schnitt hat, aber wie ich ihn so in den Händen hielt, kam er mir unglaublich riesig vor. Doch eine Anprobe zeigte: passt nicht nur wie angegossen, sondern ist auch noch ultrabequem. Das Material ist weich und geschmeidig, die Einsätze aus Spitze sind wunderschön, die Verarbeitung ist fabelhaft – insgesamt ein absolut hochwertiges Produkt. Aber erfüllt es auch seinen Job?

Seit ich den Slip zum Testen bekommen habe, konnte ich ihn bereits mehrfach tragen und kann diese Frage mit einem begeisterten Ja beantworten. Für mich ist er sofort zu einem angenehmen Begleiter geworden, da ich am ersten Tag der Periode unter starken Unterleibsschmerzen leide und dann keine Produkte verwenden kann, die man einführen muss. Noch dazu ist er durch den hohen Schnitt super komfortabel – nichts zwickt oder quetscht den ohnehin geplagten Bauch. Auch meine Befürchtung eines „Windelgefühls“ oder von Nässe bestätigte sich nicht.

Der Preis von 44 Euro pro Slip (für das Modell Cattleya) erscheint im ersten Moment ziemlich happig, zumal man mit einem einzelnen Schlüppi nicht weit kommt. Man darf aber nicht vergessen, dass er auf seine Lebensdauer von etwa vier Jahren (also 11 Euro pro Jahr bzw. ca. 1 Euro pro Regelblutung) gesehen, wahrlich keine teure Anschaffung darstellt. Kauft man zudem gleich drei oder mehr Slips, wird es bis zu 15 Prozent günstiger.

Eindeutig kritisch sehe ich hingegen, dass der Slip nur bis 40 Grad waschbar ist. (Dies trifft übrigens auch auf sämtliche Konkurrenzprodukte zu, die ich mir vergleichsweise angesehen habe.) Es ist anzunehmen, dass das mit den verwendeten absorbierenden Materialien zu tun hat, die vermutlich keine höheren Temperaturen überstehen. Der Slip ist daher direkt nach Gebrauch zwingend von Hand kalt auszuwaschen und kann dann unmittelbar oder später (an der Luft trocknen lassen!) in die Maschinenwäsche gegeben werden. Mir bereitet allerdings die Vorstellung Unbehagen, dass ein vollgebluteter Slip – Handwäsche hin oder her – ein mehrtägiges Dasein im Wäschekorb fristet und anschließend nicht heiß gewaschen werden darf. Ich bin nicht keimophob veranlagt, aber diesen Umstand finde ich unhygienisch. Nach jedem Tragen für einen einzelnen Slip die Waschmaschine laufen zu lassen, bedeutet aber das Ende jeder Nachhaltigkeit und kann also nicht die Lösung sein. Bin diesbezüglich daher für Tipps dankbar, denn alles in allem hat sich der Periodenslip für mich als ideales Produkt erwiesen und eigentlich möchte ich dabei bleiben.

Eines möchte nicht unerwähnt lassen: Die Werbefotos von Pourprées zeigen vollkommen normale Frauen in allen erdenklichen Körperfüllen und auf Instagram werden Fotos von Kundinnen in Pourprées-Wäsche geteilt. Das ist authentisch und befreiend! Plus: Eine exaktere Vorstellung von Aussehen und Sitz der Slips kann man wohl kaum bekommen. Meinen eigenen Hintern werde ich euch aber ersparen…

Übrigens: Erinnert ihr euch noch an meine Rezension zu Ebbe & Blut? Auf Instagram von Pourprées Deutschland habt ihr jetzt Gelegenheit, ein Exemplar zu gewinnen.

[Werbung/Kooperation: Danke an Pourprées.]


Hast du eigentlich schon meine jüngste Buchrezension gesehen?