Ein Ausflug nach Zamonien

Willkommen bei Literaturgeplauder! Hier dreht sich alles um Infos und Fun Facts rund um die Welt der Bücher. Heute stelle ich euch den Kontinent Zamonien vor, den Schauplatz zahlreicher Romane von Walter Moers.


Wo liegt eigentlich dieses Zamonien?

Mit Der Bücherdrache (meine Rezension findest du hier) erschien dieser Tage der bereits neunte Roman von Walter Moers, der auf dem Kontinent Zamonien spielt. Aber wo liegt dieses Zamonien eigentlich? Und wie sieht es dort aus?

Die genaue geografische Lage Zamoniens ist nicht bekannt. Es wird jedoch angenommen, dass es im Atlantik liegt. Ansonsten hat Zamonien alles zu bieten, was ein vernünftiger Kontinent eben so braucht:

In Zamonien gab es die unterschiedlichsten Landschaftsformen, neben Wüstenplateaus sah ich Eisgipfel, Sumpfwälder, riesige Kornfelder, Steinwüsten und Mischwald. Im äußersten Westen lag ein Gebirge, dessen Gipfel wesentlich höher waren als die der anderen, es wurde das Finstergebirge genannt. Auffällig war auch eine Wüste inmitten des Kontinents, die größte, die ich jemals gesehen hatte. Am meisten aber interessierte mich die Hauptstadt von Zamonien. Das war Atlantis, damals die größte Stadt der Welt.

(aus: Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär)

Unterhalb Zamoniens liegt Untenwelt, ein unterirdisches Höhlensystem, das in Teilen ebenfalls besiedelt ist. Die meisten Lebensformen aus Untenwelt sind gefährliche Zeitgenossen, denen man besser aus dem Weg gehen sollte. Die Helden aus Moers‘ Romanen machen, sofern sie das zweifelhafte Privileg haben, unfreiwillig Bekanntschaft mit Untenwelt, das übrigens weitestgehend unbekannt ist, da seine Bewohner Obenwelt meiden.

Ein weiterer wichtiger Ort Zamoniens ist die Bücherstadt Buchhaim – hier dreht sich ausnahmslos alles um Bücher und Literatur. Die Stadt ist bevölkert von Literaten, Antiquaren, Druckern, Buchimisten, Bücherjägern und vielen weiteren Existenzen, die ihr Leben den Büchern verschrieben haben. Unterhalb der Stadt liegen die Katakomben, deren Bewohner größtenteils ins Reich des Mythen gehören, was aber keineswegs bedeutet, dass es sie nicht doch gibt… Eine kulinarische Spezialität von Buchhaim ist das Bienenbrot, großzügig mit Butter und Honig bestrichene Brotscheiben, die mit frittierten Dämonenbienen garniert werden.

Eine Vielzahl der zamonischen Geschöpfe und Schöpfungen sind der Realwelt entliehen, aber vorrangig ist Zamonien von eigenen Daseinsformen bevölkert. Dort gibt es Wolpertinger, Lindwürmer, Riesen, aber auch Schrecksen, Buchlinge, Haifischmaden, Blutschinken, Nafftifftoffe, Berghutzen oder Eydeten. Grundsätzlich ist Zamonien ein multikultureller Kontinent, besiedelt von den unterschiedlichsten Spezies.

Eine Karte von Zamonien findest du hier.

Hildegunst von Mythenmetz

Die Zamonien-Romane sind in unterschiedlichen Graden untereinander verknüpft. Zahlreiche Figuren haben wiederholten Auftritt, spielen für gewöhnlich aber nur in einem Werk die zentrale Rolle, während sie in den übrigen Romanen vielleicht nur einen kleinen Gastauftritt haben. Der Wiedererkennungswert ist dennoch immer gegeben und bereitet beim Lesen echte Freude – es ist, als würde man aus den Augen verlorene Bekannte unvermutet wiedersehen.

Eine sehr zentrale Figur im Zamonien-Zyklus ist der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz. Er ist der bedeutendste Dichter Zamoniens, dessen Karriere mit seiner Biografie Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers (unter dem Titel Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers auszugsweise ins Deutsche übertragen) ihren kometenhaften Anfang nahm. Von Mythenmetz liegen des Weiteren Das Labyrinth der träumenden Bücher und nun auch Der Bücherdrache vor. Weitere Übersetzungen seiner Werke ins Deutsche sind geplant.

So geht’s (vermutlich) weiter

Große Erwartungen wurden geweckt, als nach Das Labyrinth der träumenden Bücher, das an seiner (fraglich) spannendsten Stelle einfach abbricht (Erklärung folgt unten), die Fortsetzung Das Schloss der träumenden Bücher angekündigt wurde, auf dessen Erscheinung seit Jahren alle warten – und einige nicht mehr so recht daran glauben. Stattdessen erschienen seither Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr, Weihnachten auf der Lindwurmfeste und eben auch Der Bücherdrache sowie Die Stadt der träumenden Bücher im Comicformat. Um die Verwirrung noch zu verstärken, wurde ein weiterer Zamonienroman mit dem Titel Die Insel der 1000 Leuchttürme angekündigt, der aber ebenfalls noch auf seine Erscheinung warten lässt. Die beiden angekündigten Romane werden wieder den berühmten zamonischen Dichter Hildegunst von Mythenmetz im Zentrum haben, wobei Das Schloss der träumenden Bücher nach Aussage des Autors den Abschluss rund um die legendäre Literaturstadt Buchhaim darstellen wird, während sich Die Insel der 1000 Leuchttürme einer neuen Begebenheit zuwendet. Da in Moers neustem Zamonienroman eine Leseprobe für Die Insel der 1000 Leuchttürme angehängt ist, ist möglicherweise davon auszugehen, dass dieser Roman noch vor dem Schloss erscheinen wird. Aber nichts Genaues weiß man nicht…

Walter Moers erklärte bereits vor einiger Zeit auf zamonien.de, dass seine Arbeitsweise derart ist, dass er immer an verschiedenen Projekten zeitgleich arbeitet. Hinzukommt, dass er alle seine Werke (mit Ausnahme von Prinzessin Insomnia und Weihnachten) selbst und äußerst aufwendig illustriert – ein sehr zeitintensives Unterfangen. Aufgrund der Unbeständigkeit seiner Veröffentlichungen wurden immer wieder Stimmen laut, hinter Walter Moers stecke in Wahrheit eine Autorengruppe. Befeuert wurden diese Spekulationen nicht nur von der stark schwankenden Qualität seiner Romane, sondern vor allem durch seine beharrliche Abwesenheit – von Walter Moers existieren keine Bild- oder Filmaufnahmen, er zeigt sich niemals der Öffentlichkeit. Ich persönlich glaube nicht an diese „Verschwörungstheorie“, sondern bin eher der Auffassung, dass hinter Walter Moers ein sehr produktiver und kreativer Autor steckt, der sich allerdings arg zu verzetteln scheint.

Los, lesen?!

Prinzipiell sind alle Zamonien-Romane als eigenständige und in sich geschlossene Werke zu betrachten. Nicht ganz mag das eventuell auf das Labyrinth zutreffen, dessen Umfang sich laut Autor als so mächtig erwies, dass gemeinsam mit dem Verlag beschlossen wurde, zwei Bände daraus zu machen.

Wer sich in die Welt Zamoniens begeben möchte, dem würde ich persönlich empfehlen, mit dem ersten Roman des Zyklus‘ zu beginnen, Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär. Das ist aber wahrlich kein Muss. Man kann auch einfach irgendwo einsteigen und alles durcheinander lesen. Allerdings erscheint es mir gerade bei den Romanen, die sich um Buchhaim drehen, dann doch sinnvoll, sich an die Reihenfolge zu halten – man versteht sie damit einfach ein bisschen besser.

Grundsätzlich macht man mit keinem der Zamonien-Romane etwas falsch – ausnahmslos alle Bücher bersten vor Phantasie und Kreativität. Und das nicht nur inhaltlich! Verschiedene Schriftarten und -größen untermauern das Geschehen, etliche detailreiche Illustrationen schmücken die Bücher. Man erleidet beim Lesen fast schon einen Overkill, aber genau davon leben diese Romane. Meine persönlichen und unangefochtenen Favoriten sind Rumo und die Wunder im Dunkeln und Die Stadt der träumenden Bücher. Ich finde hier hat Walter Moers sich wirklich selbst übertroffen und, um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass er es ohne Weiteres schaffen wird, an diese Erfolge anzuknüpfen. Er selbst hat die Messlatte mit beiden Romanen äußerst hoch gelegt.

Welche Titel gibt’s jetzt genau?

Die Zamonien-Romane in chronologischer Reihenfolge:

  • Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär (1999)
  • Ensel und Krete (2000)
  • Rumo und die Wunder im Dunkeln (2003)
  • Die Stadt der träumenden Bücher (2004)
  • Der Schrecksenmeister (2007)
  • Das Labyrinth der träumenden Bücher (2011)
  • Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr (2017)
  • Weihnachten auf der Lindwurmfeste (2018)
  • Der Bücherdrache (2019)

Angekündigt, aber noch nicht erschienen:

  • Das Schloss der träumenden Bücher
  • Die Insel der 1000 Leuchttürme

Die Zamonien-Romane von Walter Moers sind übrigens in diversen Verlagen erschienen: zunächst arbeitete der Autor mit Eichborn (gehört mittlerweile zu Bastei Lübbe) zusammen, danach mit Piper, später erschienen seine Bücher bei Goldmann und Knaus und mittlerweile bei Penguin.


Mehr Infos findest du zum Beispiel hier:
https://www.randomhouse.de/Autor/Walter-Moers/p381597.rhd
https://zamonien.fandom.com/de/wiki/Zamonien_Wiki