Weltfrauentag – Kauf dich glücklich!

In der Kategorie Senfonie erscheinen künftig kleine, persönliche Beiträge zu Themen, die mir im Alltag begegnen, zu denen ich meinen Senf dazugebe. Senfonie ist ein Blick über den literarischen Tellerrand hinaus.

Wie könnte man es nicht mitbekommen haben: Heute ist Weltfrauentag und ab diesem Jahr gilt dieser in Berlin sogar als Feiertag. Juche! – Oder doch nicht? Wäge ich alle möglichen Argumente gegeneinander ab, so hat am Ende leider die Skepsis die Oberhand.

Dabei ist der Tag als solcher nicht das Problem. Der Frauentag ist heute noch genauso relevant wie er es bei seiner Einführung vor über hundert Jahren war. Es ging um Ansprüche wie Wahlrecht, Lohngleichheit, später auch um legalen Schwangerschaftsabbruch. Unter den Nationalsozialisten wurde der Frauentag als Ausdruck emanzipatorischer Bestrebungen verboten und stattdessen der Muttertag begangen – passte halt besser ins Ideal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Frauentag wieder ins Leben gerufen, stand in der DDR aber unter dem Zeichen des Sozialismus und dem damit verbundenen Frauenbild, während ihm in der BRD wenig Bedeutung beigemessen wurde. Erst mit der Wiedervereinigung regten sich Bestrebungen, den Frauentag wieder zu einem Tag zu machen, an dem es um Frauenrechte geht. Und nun hat das erste Bundesland ihn zum Feiertag erklärt. Ist das als Erfolg zu werten? Wenn ja, worin besteht er? Feiertage sind Tage, an denen einem bestimmten Ereignis gedenkt wird, zum Beispiel Christi Geburt oder der Wiedervereinigung. Feiertage sind also Tage, an denen im Grunde an etwas Vergangenem festgehalten wird. So lässt sich der Frauentag Gottlob nicht einordnen (obschon man gelegentlich das gegenteilige Gefühl hat). Da ist er eher dem Tag der Arbeit näher, dessen Ursprung im Kampf der Arbeiterklasse für bessere Arbeitsbedingungen liegt. Allein, in ihrer jeweiligen Begehung unterscheiden sich die beiden dann doch stark. Und da ähnelt der Frauentag wiederum Weihnachten oder Ostern. Der Einzelhandel reibt sich die Patschehändchen: Coupons hier, Sonderaktionen dort. Konsum! Konsum! Und das Schlimmste daran ist: Es muss sich wohl lohnen. Während ich diese Angebote bewusst boykottiere, latschen andere Frauen los und decken sich mit Kram ein, den sie sich für ein paar Cent mehr auch an jedem anderen Tag im Jahr kaufen können. Das regt mich auf! Natürlich darf jede den Frauentag gestalten wie sie möchte. Sie darf sektschlürfend in der Wanne liegen oder üppig mit Freundinnen brunchen gehen oder eben die Coupons glühen lassen. Sie kann stattdessen aber auch Demos besuchen oder sich mit gesellschaftlichen Problemen befassen von denen Frauen betroffen sind, ganz im ursprünglichen Sinne des Frauentags.

Ich befürchte mit der Zeit wird der Konsumtanz rund um den Frauentag normal werden, im schlimmsten Fall das Geschehen sogar dominieren. Genau wie an Weihnachten oder beim Mutter- oder Valentinstag. Mal nachgefragt, beteuern viele, wie furchtbar die Kommerzialisierung von Liebe und Anerkennung ist, schieben dann aber hinterher, dass sie trotzdem ein bisschen gekränkt wären, würde man diese Tage übergehen. Wieso? Mir erschließt sich das nicht. Denkbar wäre natürlich, dass mir da schlicht die Zugehörigkeit abgeht: weder bin ich Mutter, noch jemandes Valentina. Aber ich habe eine Mutter und der sage ich regelmäßig in Worten und Gesten, wie sehr ich sie liebe und schätze, dafür bedarf es keines gesonderten Tages. Und schon gar nicht bedarf es dazu einer ganzen Industrie! Dasselbe gilt für den Frauentag. Wer mich die übrigen 364 Tage des Jahres nicht in meinem Frausein ehrt, respektiert und unterstützt, braucht es an diesem einen Tag auch nicht zu tun. Und noch viel wichtiger: Respekt zeigt sich nicht in Form materieller Dinge und schon gar nicht darin, dass man versucht, mir das Geld aus dem Beutel zu leiern. Er zeigt sich in Taten und Worten. Taten können selbstverständlich auch so aussehen, dass ich es mir gutgehen lasse, ich mich selbst zelebriere. Auch das ist fraglos wichtig! Aber dabei sollte ich mich nicht von findigen Marketingstrategien beeinflussen lassen, vor allem dann nicht, wenn diese mich auf pinkfarbene Klischees reduzieren.

Eine Einführung als Feiertag begünstigt eine punktuelle Wahrnehmung, dabei sollte jeder Tag Frauentag sein. Kommt noch die stete Verkommerzialisierung hinzu, gerät zudem das eigentliche Ansinnen in den Hintergrund. Dabei wäre doch das eigentliche Ideal, dass der Frauentag irgendwann einfach überflüssig wird.